100 Jahre Freiwillige Feuerwehr Schülp

Die Anfänge

Schon in den Zeiten, in denen die Herzöge von Gottorf und die Könige von Dänemark, Landesherren in Dithmarschen waren, waren Verbesserungen des Feuerlöschwesens im Gespräch. Aber erst als Holstein 1866 unter "preußisches Komando" kam, wurde ernsthaft etwas unternommen. Für Norderdithmarschen wurde eine Dreierkommission eingesetzt, zu der Vollmacht Pfahler aus Lunden, Vollmacht Loy aus Tödienwisch und H. Hinrichs aus Hollingstedt gehörten.

In Ihrem Gutachten kamen die drei Männer, zu denen sich noch Pfennigmeister Niemand und Branddirektor Rode gesellten, zu dem Schluß, "daß selbst mit den allerbesten Lösch- und Rettungsgeräten, sowie Anstalten keine guten Resultate erzielt werden können, wenn es an willigen und ausgebildeten Mannschaften fehlt." Sie zogen aus Ihren Ermittlungen den Schluß: " Löscharbeiten sind eingeübten Mannschaften zu übertragen. Sie sind in fortwärender Übung und Disziplin zu halten."

Anordnungen der Regierung ließen nicht lange auf sich warten. Bis 1872, so hieß es jetzt, sei jede Ortschaft mit einem Brandcorps auszurüsten. Die Kosten für Spritzen und Wasserwagen sollten die Distriksbrandkassen tragen, die für die Gerätehäuser und die Ausrüstung die Kirchspiele. Die Aufstellung Freiwilliger Feuerwehren wurde ausdrücklich gestattet, ja befürwortet.

Das Thema " Freiwillige Feuerwehren " war damals seit der Gründung einer solchen Einheit im Jahre 1846 in Durlach im Gespräch geblieben. In Heide hatte eine um Klaus Groth 1847 ein Freiwilliges Brandcorps gegründet. Das war im Grunde eine Weiterentwicklung der bisherigen Zwangsbrandwehr, noch nicht das, was dann einige Jahre später als Freiwillige Feuerwehr mit voller Uniform und dem Reglement, wie es in Süddeutschland bereits verwirklicht war, stellte sich 1861 in Kiel vor. Auch in Schleswig entstand  1866 eine Freiwillige Feuerwehr, die in Bekleidung und Dienstordnung lange Vorbild im Lande war. Heide richtete sich danach, Lunden und auch Wesselburen bei der Errichtung ihrer Freiwilligen Feuerwehren.

Schülp wurde 1881 vor allem mit dem Problem der Brandbekämpfung Konfrontiert. Eine Reihe Häuser brannte im Dorf ab. Die Brandaufseher J. Friccius und G. Dohrn plädierten nach dem Fiasco , das sie mit der Pflichtbrandwehr erlebt hatten für eine bessere Lösung, für eine Freiwillige Feuerwehr.

Je größer der Abstand zur Brandkatastrophe wurde, desto uninterresanter wurde das Thema Feuerwehr allerdings in Schülp. Das blieb so bis der Wehrführer  von Wesselburen die Initiative ergriff. Hauptmann Schumacher ließ seine Männer nach Schülp ausrücken und demonstrierte mit einer Übung, wie eine moderne Freiwillige Feuerwehr agierte und auszusehen hatte. Das nützte etwas.

Erste Versammlung

Am 1. November 1886 wählten in einer Verasmmlung 20 Männer aus Schülp Peter Nagel zum ersten Hauptmann. Die Freiwillige Feuerwehr des Ortes war gegründet. Doch damit begannen die Sorgen erst. Für Uniformen und Ausrüstung wurde Geld benötigt. Woher sollte es kommen ( Diese Frage stellt sich auch heute wieder ! )? Diese Klippe ließ sich aber schon bald umschiffen. Das Kirchspielskollegium stellte 300 Mark bereit, die Sparkasse Wesselburen 150 Mark, von der Centralkasse aus Kiel kamen 45 Mark Beihilfe. Damit konnte nun einiges beschafft werden. Der Ernstfall ließ nicht lange auf sich warten. Am 19. Mai 1887 brannte auf dem Hof von Staack in Schülpersiel der Düngerhaufen. Ein Übergreifen der Flammen auf die Gebäude konnte verhindert werden. Aber es sollte schon bald "dicker" kommen! Am 27. Juni 1887 stand das Gewese von Bohn in Flammen. Die Feuerwehr Schülp konnte einen Teil davon retten und durfte stolz auf Ihhren Erfolg sein. Geübt wurde fleißig. Das Protokoll für 1888 verzeichnete elf Übungen. Das Hauptarbeitsgerät jener Tage war an der Brandstelle die Handdruspritze.

Auf Zucht und Ordnung wurde in der Freiwilligen Feuerwehr Schülp viel Wert gelegt. Verhandlungen des Ehrengerichts wurden bei Verstößen angesetzt. So erfolgte 1901 der Ausschluß des Schriftführers Johannsen. Er sollte das Kommando beleidigt haben. Eine Geldstrafe von 3 Mark wurde Ihm zusätzlich aufgebrummt.

C. Sylvester und Friedrich Reimers mmußten jeder 1.50 Mark zahlen weil sie nach dem Fest 1907 " übergesessen " hatten und am nächsten Tag noch in Uniform im Dorfkrug angetroffen wurden. Reimers zahlte nicht und wurde danach ausgeschlossen. Doch allzu streng mochten es die Schülper auch nicht. Als sie 1894 den Reserveoffizier W. Rolfs zum Hauptmann gewählt hatten, der sich dann als " gestrenger Herr " erwies, trennten sie sich schnell wieder von ihm. Sie wählten am 8. April  1895  J. Münster zum Wehrführer. Fünf Jahre später übernahm denn Fr. Lempke das Komando und gab es 33 Jahre nicht wieder ab. Viecehauptmann wurde Wilhelm Witt. Das gesellige Leben in Schülp wurde von der Freiwilligen Feuerwehr seit ihren Bestehen außerordentlich befruchtet. Ein Beispiel dafür mag Kaisers Geburtstag im Jahr 1909 sein. In zwei Lokalen wurde Musik und Tanz geboten, bei Heuer und bei Cornils. Eine Theatergruppe der Wehr trat auf. Der Überschuß dieser Veranstaltung betrug 9,85 Reichsmark. Da war der Ertrag des 25jährigen Stiftungsfestes mit 39,85 Mark schon etwas solider. Zur Mitarbeit im Kreisfeuerwehrverband entschlossen die Schülper Wehrmänner sich 1894. Zusammen mit den Norddeichern und den Reinsbüttlern traten sie diesem Zusammenschluß bei, dessen Zweck eine einheitliche, straffe Organisation, eine solide Ausbildung, die Versorgung mit gleichen Uniformen für alle und die Sicherstellung der Versorgung der Kameraden bei Unfällen war. Der Verband übernahm ferner die Vertretung gegenüber Behörden und der Öffentlichkeit.

Werfen wir noch einen Blick auf die Finanzen. Sie spielten schließlich eine nicht kleine Rolle im Leben einer solchen Gemeinschaft. Ein heute noch vorhandenes Kassenbuch beginnt 1906. Für die Rettung von Ochsen verzeichnet es einen Eingang von 45 Reichsmark im Jahr 1907. Der Weltkrieg findet 1914 seinen Niederschlag darin durch die Ausgabe für acht Feldpostpakete für Kameraden im Felde. Die Inflation zeichnet sich mit einer Spende von Eduard Hagge von 100 000 Mark im Jahr 1923 ab. Als dann alles wieder normal ist heißt es 1925: " Keine Einnahmen ".

1902 eine neue Spritze

Doch geifen wir noch ein paar Jahre wieder zurück. 1902 erhielt die Freiwillige Feuerwehr Schülp eine neue Spritze. Der Mitgliederbestand stieg nach dem Weltkrieg an. 1919 verzeichnen die Mitgliederlisten 28 Aktive. 1921 sind es 33. Die Alarmierung erfolgte damals durch Signalhörner. Immer noch war die Handdruckspritze Hauptinstrument. Die Spritzenmannschafteb quälten sich oft stundenlang an den Pumpenstangen. Sehnsüchtig wurde das Kommando " Wechselt um " erwartet, dann war die Reservemannschaft dran. Doch schon bald hieß es wieder " Fertigmachen zur Ablösung ". Wieder ging es weiter im gleichen Tekt: " Auf-ab, auf-ab ".

1923 zeigten sich die ersten Zeichen der Motorisierung. Der Kreis Norderdithmarschen beschaffte eine Motorspritze. Sie stand für Einsätze auf dem Lande mit einer Besatzung der Freiwilligen Feuerwehr Heide zur Verfügung. Das war allerdings nicht kostenlos. Jede Stunde kostete 7 Mark, jeder Farkilometer 30 Pfenning. Hinzu kamen Beträge für die Reinigung des Fahrzeugs und für den Lohnausfall der Männer. Bis 1926 gab es Einsätze in Strübbel, Hemmerwurth, Wennemannswisch, Norddeich und Wesselburenerkoog. Also auch im Bereich Schülp tauchte die " Heider Spritze " auf. Für 1927 ist noch ein Pflichtbrandcorps in Schülp nachzuweisen, wann es aufgelöst wurde, ist nicht bekannt. Derartige Einrichtungen bliebben meist auch nach der Gründung  von Freiwilligen Feuerwehren bestehen. Sie bildeten die Reserve, die bei ganz großen Einsätzen angefordert werden konnten. Gewöhnlich mußten die Männer der Pflichtwehr, der alle Einwohner zwischen 18 und 60 Jahren angehörten einmal im Jahr üben. 1927 ist zugleich für den Kreisfeuerwehrverband Norderdithmarschen ein wichtiges Jahr. Die Feuerwehrschule in Lunden, an der auch Schülper geschult wurden, nahm ihre Tätigkeit auf. Die Wehr Schülp erhielt einen Spielmannszug.

Für 1930 verzeichnet das Protokoll die Anschaffung einer Motorspritze und eines Schleppwagens. Die Gemeinde blätterte 1200 Mark auf den Tisch für ein Adler Auto.  Für Fritz Lempke war das zugleich ein Jubiläumsgeschenk, denn er konnte im gleichen Jahr sein 30jähriges Wehrführerjubiläum begehen.

Beim Brand von Groth bewährte sich die neue Motorspritze zum ersten Mal. Die Mannschaften hatten vorher fleißig damit geübt. Das Zahlte sich nun aus. Im Jahr darauf gab es zwei Großfeuer, bei Hölck und bei Kühl.

Eine Erweiterung der Befugnisse der Feuerwehren brachte die Polizeiverordnung über das Feuerlöschwesen vom 23. Februar 1932. Die Dienstanweisung für den Wehrführer und die Maschinisten wurde wesentlich vervollständigt. Das alles aber war nur geringfügig gegenüber dem, was dann kam. Die Freiwillige Feuerwehr wurde nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten im Jahr 1933 gleichgeschaltet. Mit dem preußischen Feuerlöschgesetz vom 15. Dezember 1933 erhielten die Feuerwehren eine neue Rechtsgrundlage. Sie waren Vereine ohne Rechtspersönlichkeit gewesen, deren Mitglieder sich selbst durch Satzungen verpflichteten, bei Ausbruch eines Brandes Gefahren abzuwehren.

Nach dem neuen Gesetz aber waren die vom Staat her zur Leistung Verpflichtet. Alles wurde nun anders. Der Vereinscharakter verschwand. Das Führerprinzip griff Platz. Die Wahlen fielen weg. Der " Ortspolizeiverwalter " ernannte den Wehrführer und seinen Stellvertreter. In dieser Zeit war ein Schülper, Ernst Diener, kurze Zeit Kreiswehrführer. An die Stelle von Vorstandssitzungen traten " Führerbesprechungen ". Den roten Hahn kümmerte das alles jedoch wenig. Er trieb weiter sein Unwesen. 1935 wurden die Feuerwehren auf Adolf Hitler vereidigt, ab 23. November 1938 verschwand der Name Feuerwehr. Die Wehren wurden Halblöschzüge oder Löschzüge der Feuerlöschpolizei. Der Hoheitsadler mußte fortan am Dienstrock getragen werden.

Und noch etwas änderte sich. Die Feuerlöschsteuer wurde eingeführt. Damit verschwanden die Zuwendungen, die den Wehren nach Bränden von den Versicherungen gegeben worden waren. Fritz Töming wurde neuer Wehrführer nachdem der Vorstand am 14. Mai 1933 seine Ämter zur Verfügung stellen mußte. Schon 1933 zeichnete sich ab, für welche Aufgaben die Feuerwehr künftig eingesetzt werden könnte. Beim Amtsfeuerwehrtag in Reinsbüttel gab es die erst Luftschutzübung. Damit wurde es dann schon bald ernst. Der Krieg begann. Am 3. August 1941 fielen Bomben auf Schülp, verursachten allerdings nur leichten Schaden. Schleswig Holstein wurde für Bomberstöme. Flugzeuge stürzten im Umkreis von Schülp ab und gingen in Flammen auf, oft nur wenig von Wohnhäusern entfernt.

Eine traurige Pflicht hatten die Schülper Wehrmänner in Haferwisch zu erfüllen, wo 16 Wesselburener Kameraden durch einen Volltreffer getötet wurden. Die Schülper mußten die Toten bergen. Dithmarscher Feuerwehren und damit auch die Schülper wurden bei Großbränden durch Bombenabwürfe eingesetzt in Hamburg, Kiel, Neumünster und Elmshorn aber auch in der nähe, in Heide und bei der DEA in Hemmingstedt. Der Krieg blieb nicht, wie 1914/18 draußen vor den Grenzen stehen. Luftangriffe trugen ihn bis ins kleinste Dorf.

Neuer Beginn nach dem Krieg

Mit dem Führerprinzip war es nun natürlich vorbei. Es wurde wieder gewählt. Wehrführe gab es zunächst allerdings nicht mehr. Es hieß jetzt Wehrleiter. Bis 1942 hatte F. Thöming die Wehr geführt, ihm folgte bis 1946 W. Grob. Danach wurde Hans Mahnke gewählt, der " Wehrführer ", so hieß es inzwischen wieder, bis 1954 blieb. Zunächst trat die Feuerwehr Schülp auf der Stelle. Benzin war knapp. Geübt werden konnte nur wenig. Die Militärregierung legte Beschränkungen auf. Neuaufnahmen wurden erst wieder 1948 zugelassen. Ein neuer Kreisfeuerwehrverband entstand im gleichen Jahr.